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Norddeutschland: Reet – Wohnen unter dem Dach der Natur

19. September 2007

Der Trend zu Reetdachhäusern in Norddeutsch-land hält an. Beim Umgang mit dem festen, aber sensiblen Baustoff Schilf ist jedoch einiges zu beachten. NCC setzt auf strenge Qualitätskontrollen
 
Wie viele mit Reet gedeckte Häuser es an Nord- und Ostsee, an Weser und Elbe, an den Mecklenburger und Brandenburger Seen gibt, wissen nicht einmal Fachleute genau zu sagen. 30.000 dürften es mindestens sein. Und es werden jährlich mehr. Ob als Ferien- oder Wohnimmobilie, ob als Altersruhesitz oder Rückzugsraum für gestresste Großstadtfamilien – der urwüchsige Charme der Naturreetdächer liegt seit geraumer Zeit im Trend, dem vor einigen Jahren auch die großen deutschen Bau- und Immobilienkonzerne folgten. Allein die NCC Deutschland GmbH errichtete seit 2003 um die einhundert Reetdachhäuser entlang der Ostseeküste und in Brandenburg.
 
Die Vorzüge eines Reetdachs sind dabei kaum von der Hand zu weisen. Die Dächer mit dem seit Jahrhunderten verwendeten Schilfrohr fügen sich idyllisch in die norddeutsche Landschaft ein. Neben Lehm und Holz gehört Reet außerdem zu den umweltfreundlichsten Baustoffen. Hinzu kommt ein weiterer positiver Umweltaspekt, das angenehme Raumklima unter einem Reetdach. Im Sommer halten die Schilfmatten die Hitze ab, im Winter unterstützen sie die Wärmedämmung des Hauses. Die Verwendung von Reet ist daher mittlerweile zum Synonym für Tradition und Baukultur, Ökologie und natürliches Wohnen geworden.
 
Exklusives Statussymbol – auch zu erschwinglichen Preisen

War ein Reetdach noch vor einem halben Jahrhundert eine Angelegenheit ärmerer Bauern, so steht der naturbelassene Baustoff heute bei einer qualitätsbewussten, umweltverbundenen und vor allem kaufkräftigen Klientel hoch im Kurs. Denn natürlich geht das Bauen mit Reet mehr ins Geld als die Errichtung eines Hartdaches. Und natürlich gilt ein Dach aus Schilfrohr nicht zuletzt deshalb als Statussymbol für Menschen, die für ihr Feriendomizil problemlos und gern ein paar Euro mehr ausgeben können. Dass es auch erschwinglicher geht, beweist das Bau- und Immobilienunternehmen NCC.
 
Für preisbewusste Heimwerker bietet der Konzern mit dem blauen Stern im Logo beispielsweise auf Rügen in der Gemeinde Ummanz ein Reetdachhaus mit 97 qm Wohn- und Nutzfläche inklusive Grundstück schon ab 152.910 Euro an. Dafür errichtet NCC den Rohbau und einen Teilausbau, den Rest übernimmt der Bauherr.
 
Ob in Ummanz oder anderswo: Bei der Qualität der Bauausführung und des Dachbelags werden selbstverständlich keinerlei Abstriche gemacht. „Wir haben nicht nur unsere Nachunternehmen vertraglich zu strengen Qualitätskontrollen und zur Einhaltung der Richtlinien für Reetdachdecker verpflichtet, wir überprüfen auch selbst vor Ort, ob das Material den Anforderungen entspricht“, sagt Nadine Mock, Projektleiterin im NCC-Büro Bergen auf Rügen.

Qualitätssicherung als Nonplusultra
 
Gerade bei der Verwendung eines so festen, aber doch sensiblen Baustoffs wie Reet müssen Qualitätssicherungsmaßnahmen penibel befolgt werden. Denn der größte Feind der mit Schilfrohr gedeckten Häuser ist die Feuchtigkeit, die es durch gewissenhafte Materialkontrollen, gute Belüftung und eine vorschriftsmäßige Bauausführung gering zu halten gilt. So muss die Dachschräge des Hauptdaches mindestens 45 Grad betragen. Die einzelnen Halme dürfen dabei höchstens um 15 Grad geringer geneigt sein. Nur so ist garantiert, dass Regenwasser gut abfließen kann und das Schilfrohr nicht durchnässt. Darüber hinaus sollte die Firstlinie des Hauses in Nord-Süd-Richtung verlaufen, damit keine Dachseite im Schatten liegt und beide Seiten nach einem Regenguss abtrocknen können.
 
Oberstes Augenmerk ist schließlich auf die Qualität des verwendeten Reet zu legen, denn nicht jede Schilfpflanze ist gleich widerstandsfähig. Manche Reetsorten nehmen mehr Wasser auf als andere. Auch bei der Lagerung des geernteten Schilfs ist einiges zu beachten. „Die Reetballen dürfen keineswegs feucht werden und dann gar noch wochenlang unter Plastikplanen liegen. Das kann man sofort wieder entsorgen“, weiß Nadine Mock: „Reet muss fest und trocken sein und es muss knacken, wenn man es bricht. Alles andere ist Ausschuss.“
 
Nicht ohne Stolz weist die Architektin Mock darauf hin, dass im Falle der von NCC errichteten Reetdachhäuser kein einziges von dem „rätselhaften Reetdachsterben“ betroffen war, das in den letzten zwei Jahren durch die Medien geisterte. Normalerweise hält ein Reetdach mindestens 30 Jahre, bei Einhaltung der Pflegerichtlinien und der alle acht bis zehn Jahre notwendigen Überarbeitung sogar 80 Jahre und länger. Beim „Reetdachsterben“ der letzten beiden Jahre verrotteten und verschimmelten vor allem im Nordosten Schleswig-Holsteins zahlreiche fast neue Dächer binnen kürzester Zeit. Die Mär vom geheimnisvollen osteuropäischen „Killer-Pilz“ machte die Runde. Tatsächlich bewies eine von Kieler Forschern durchgeführte unabhängige Studie inzwischen, dass es einen solchen „Killer-Pilz“ nicht gibt und das „Dachsterben“ auch gar keine großen Rätsel aufgibt: Es beruht vor allem auf minderwertigem Material und schlechter Bauausführung. Und so verwundert es nicht, dass die Frage nach der Angst vor der  vorzeitigen Alterung neu errichteter Reetdächer bei NCC mit einem klaren „Nein“ beantwortet wird. Denn, so Mock, „Qualitätssicherung ist bei uns das Nonplusultra“.
 
„Bauen unter einem guten Stern“, heißt das Motto von NCC. Es steht für Innovation und ein kooperatives Miteinander, es steht für maßgeschneiderte, qualitativ hochwertige und bezahlbare Leistungen aus einer Hand – auch beim Bau von Reetdachhäusern.
 
Momentan realisiert NCC neun Reetdachprojekte entlang der Ostseeküste und in Brandenburg, darunter das Projekt „Am Focker Strom“ mit 21 Reetdachhäusern in der Gemeinde Ummanz und die Reetdachhaus-Ferienanlage „Kliff Königshörn“ in Glowe auf Rügen, 14 Reetdachhäuser direkt an der Lübecker Bucht in Neustadt-Pelzerhaken und das Reethaus-Dorf in Wendisch Rietz am Brandenburger Scharmützelsee südöstlich von Berlin.

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