Wenn irgendwo in Deutschland Investitionsanreize geschaffen werden sollen, wird hierzulande nahezu reflexartig nach steuerlichen Vergünstigungen gerufen, kritisiert Nils Olov Boback, Geschäftsführer der NCC Deutschland GmbH, in einem am 1. Dezember in der Fachzeitschrift „Immobilien & Finanzierung“ veröffentlichten Gastkommentar. Zuletzt, so Boback, ist dieser Reflex mal wieder durchgebrochen, als es um die Förderung von energetischen Baumaßnahmen ging. „Das ist unsinnig“, denn: „Speziell im Geschäftsfeld Wohneigentum für Haushalte, die nur über geringe finanzielle Mittel verfügen – sogenannte Schwellenhaushalte – ist eine steuerliche Förderung nur bedingt zweckmäßig, denn sie würde erst zeitverzögert greifen. Gerade Schwellenhaushalte aber sind zu Beginn des Eigentumserwerbs auf Unterstützung angewiesen.“ Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass bei deutschen Häuslebauern zinsvergünstigte Darlehen und direkte Zuschüsse (etwa für kinderreiche Familien) deutlich beliebter sind als Steuerförderungen, wie jüngst eine Emnid-Umfrage ergab.
Dass über zinsgünstige Baudarlehen und Zuschüsse für Neubauten zur Eigennutzung Investitionsanreize geschaffen werden können, zeigt dabei das Beispiel Hamburg, so Boback weiter: „Die Stadt gilt seit langem als eine der deutschlandweit vorbildlichsten Städte beim Thema Wohneigentumsförderung.“ Allein 2011 stellte die Hansestadt 122,5 Millionen Euro für die Wohnungsbauförderung bereit. In den Genuss der Förderung kommen hier speziell Haushalte, deren Einkommen unterhalb eines bestimmten Jahreseinkommens liegt, wobei sich die Höhe des Darlehens nach der Anzahl der im Haushalt lebenden Personen und nach einem von der Einkommenshöhe abhängigen Darlehenssatz richtet. Zusätzlich kann das Darlehen dann noch um einen Familienzuschlag erhöht werden. Und auch energieeffizientes Bauen wird extra begünstigt. Die Konsequenz: In Hamburg wird häufiger als in anderen Städten energieeffizient gebaut. Die Mehrkosten, schreibt Boback, werden offensichtlich durch Förderungen besser aufgefangen als an anderen Standorten: „Selbst Schwellenhaushalten ist es oft möglich, die Mehrkosten für energetische Maßnahmen zu bewältigen.“