Nils Olov Boback, Geschäftsführer der NCC Deutschland GmbH, beschäftigt sich in einem am 11. März in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ veröffentlichten Gastbeitrag mit einer zentralen „Zukunftsaufgabe in Deutschland“: dem spar-samen Umgang mit Freiflächen, die für Wohnungsprojekte genutzt werden.
Bundesweit, so Boback, „werden gegenwärtig rund 94 Hektar Fläche täglich neu für Siedlungs-bau, Gewerbegebiete und Verkehr in Anspruch genommen.“ Bis 2020 soll der tägliche Flächen-verbrauch jedoch auf 30 Hektar pro Tag reduziert werden. So zumindest hat es die Bundesregierung in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie formuliert. Um dieses Ziel auch nur annähernd zu erreichen, müssen, wie Boback schreibt, „auch private Bauträger und Projektentwickler im Wohnungs-segment durch flächenbewusstere Planungen“ ihren Teil zum „30-Hektar-Ziel“ beisteuern. Boback zufolge bieten sich dafür drei Strategien an: „optimierte Grundstücksgrößen, eine verdichtete Bauweise sowie die Nutzung von Konversions- und Brachflächen statt Freiflächen.“
Stichwort Grundstücksgrößen. Ein sparsamer Umgang hiermit ist, so Boback, im Wohnungs-segment vor allem in den Ballungsräumen auch im Sinne der Käufer, schließlich sind Grundstücke hier teuer, Haus und Grundstück müssen aber bezahlbar bleiben. Ob Ein- oder Mehrfamilienhaus: Vielen Nachfragern genügt, wie das Bundesbau-ministerium und das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung festgestellt haben, „ein kleiner Vorgarten mit einem Puffer von etwa 1,50 Meter zur Wohnstraße, sofern sich der Großteil des Gartens lärmgeschützt hinter dem Haus befindet.“ Boback schlussfolgert daraus, dass „Privatheit und eine funktionierende Alltagsorganisation“ für viele offensichtlich wichtiger ist als die bloße Größe der Grundstücke.
Stichwort verdichtete Bauweise. Hohe städtebau-liche Dichten im Wohnungsbau lassen sich vor allem durch mehrgeschossige und gereihte Bauten erzielen. Boback regt daher an, bei künftigen Projekten nicht mehr „ausschließlich auf Ein- und Zweifamilienhäuser zu setzen“, sondern „zum Beispiel über Reihen- oder Stadthäuser Zwischen-formen zwischen aufgelockerter und hoch verdichteter Bauweise zu wählen.“ Ohne indes „die Fehler der Vergangenheit“ zu wiederholen, indem schmale und lange Hausreihen ohne architektonischen Reiz errichtet werden.
Schließlich, so Boback, müssen die Produkte auch vom Markt angenommen werden.
Stichwort Brachflächen und innerstädtischen Baulücken. „Selbst in besten Lagen“, schreibt Boback „scheinen Konversionsflächen, Brachen oder Baulücken in vielen Fällen zumindest für bezahlbaren Wohnraum nicht in Frage zu kommen“, weil Neubauten auf Brachflächen und Baulücken „für den Projektentwickler auf den ersten Blick oft aufwendiger“ seien. Ein Trugschluss: Denn wer genauer hinsieht, erkennt, dass – „eine kostensparende Bauweise vorausgesetzt“ – durchaus Möglichkeiten vorhanden sind, „den Mehraufwand zu kompensieren und somit preiswerten Wohnraum zu schaffen.“
Optimierte Grundstücksgrößen, eine verdichtete Bauweise, die Nutzung von Konversions- und Brachflächen: Es gibt sie also, die Optionen, um den Verbrauch neuer Flächen zu reduzieren und sich dem „30-Hektar-Ziel“ anzunähern. Immobilienwirtschaft und Bundesregierung müssen nur, so Boback abschließend in seinem Beitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, „an einem Strang ziehen - und gemeinsam nach Lösungen suchen.“