In einem Gastbeitrag für die Wirtschaftszeitung „Euro am Sonntag“ wendet sich Nils Olov Boback, Geschäftsführer der NCC Deutschland GmbH, vehement gegen regulatorische Eingriffe des Staats auf dem deutschen Wohnungsmarkt.
Es gibt wohl kaum einen Markt, schreibt Boback, bei dem so häufig nach staatlichen Interventionen wie Subventionen, Steuervorteilen und Regulier-ungen des Mietrechts gerufen wird wie dem Wohnungsmarkt: „Vertreter der Bauwirtschaft und Mieterverbände trauern immer noch der degressiven Abschreibung oder der Eigenheim-zulage nach, Immobilieneigentümer wollen eine Deregulierung des Mietrechts, Mietervertreter wollen noch mehr Regulierung.“ Ein Irrweg, meint Boback. Schließlich haben im Gegensatz zu anderen Ländern Europas die Reduktion und schließlich die gänzliche Abschaffung der degressiven Abschreibung für den Mietwohnungs-neubau sowie der Eigenheimzulage für selbst genutzte Wohnungen in Deutschland dazu geführt, „dass die Marktkräfte sich entfalten können“ – mit für Investoren und Immobilieneigentümer überaus positiven Effekten.
Denn seit 2005 werden Jahr für Jahr weniger Wohnungen fertig gestellt, zugleich nimmt aber die Anzahl der Haushalte insbesondere in den westdeutschen Ballungsräumen sowie in Berlin kontinuierlich zu. Die damit einhergehende Angebotsverknappung in Städten wie Frankfurt, Hamburg oder Berlin hat wiederum zu einem deutlichen Anstieg der Mieten geführt. So sind in Hamburg und Berlin die Angebotsmieten für Wohnungen ab Baujahr 2000 in den vergangenen fünf Jahren um 20 Prozent und mehr gestiegen.
Boback hebt vor allem die Entwicklung in Berlin hervor, „wo seit Jahren kaum noch gebaut wird“. Hier stieg die Angebotsmiete im vergangenen Jahr um 13 Prozent, und in Prognosen wird von einem weiteren Anstieg um zehn Prozent in diesem Jahr ausgegangen. Gleichzeitig könnten die Kaufpreise um satte zwölf Prozent steigen. Für Boback sind all diese Zahlen ein deutlicher Beleg dafür, „dass der Wohnungsmarkt in Deutschland insgesamt sehr gut funktioniert“ und von der Deregulierung profitiert hat.
„Die Ansicht, die manchmal von Vertretern der Immobilienwirtschaft ins Feld geführt wird, ohne Steuervorteile und Förderungen lohne der Neubau nicht, entbehrt dabei jeder Grundlage“, so Boback weiter. Nochmals verweist der Geschäftsführer von NCC Deutschland auf das Beispiel Berlin, wo der Markt über viele Jahrzehnte durch zahlreiche staatliche Subventionen verzerrt war und die Baupreise deutlich über denen Westdeutschlands lagen. „Warum“, fragt Boback, „sollte man günstig und effizient bauen, wenn der Staat mit Steuer-vorteilen, vergünstigten Darlehen und Mietzu-schüssen half und Investoren nicht auf die Rendite vor Steuern, sondern auf Steuervorteile und Subventionen schauten?“ Erst die Streichung der Subventionen hat auf dem massiv verzerrten Wohnungsmarkt in Berlin zu einer „Normalisierung“ mit zurückgehender Neubautätigkeit, abnehmendem Leerstand und steigenden Mieten geführt.
Und eben dieser marktgerechte Anstieg der Mieten darf, so Boback, nicht beschränkt werden: „In einer Stadt wie Berlin, wo die Mieten im Schnitt fünf Euro pro Quadratmeter betragen, ist es besonders abwegig, den Anstieg der Mieten durch staatliche Eingriffe beschränken zu wollen.“ Boback hofft indes, „dass der Gesetzgeber nicht der Versuchung erliegt“, dem „Ruf nach Subventionen oder weiteren Eingriffen in das Mietrecht“ zu erliegen. Denn: „Das Gesetz von Angebot und Nachfrage funktioniert, auch und gerade in der Wohnungswirtschaft. Ein Teil des Marktgeschehens sind steigende Mieten.“